Gründungsakt Gesellschaftsklimabündnis

Auf Einladung von Präsidentin Barbara Prammer wurde am 19. April im Parlament das Gesellschaftsklimabündnis aus der Taufe gehoben. Ziel sind Partner_innenschaften zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur Verbesserung des Gesellschaftsklimas.

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„Eigentlich sollte so ein Bündnis nicht notwendig sein. Aber in der Realität zeigt sich immer wieder, dass Vielfalt nicht geschätzt und auch nicht gelebt wird“, erklärte Barbara Prammer beim Gründungsakt für ein neues Gesellschaftsklimabündnis in Österreich am Freitag im Parlament. In Anwesenheit der Nationalratspräsidentin unterzeichneten 13 Organisationen – darunter die Bundesjugendvertretung, die Diakonie Österreich, die Wiener Volkshochschulen und SOS Mitmensch – die Deklaration des Gesellschaftsklimabündnis.

In Österreich könne noch nicht einmal über die Diversität der Gesellschaft diskutiert werden, meinte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrer Begrüßung. „Von einer inklusiven Gesellschaft sind wir noch weit entfernt“, bedauerte sie. Sandra Frauenberger, die Wiener Stadträtin für Integration und Frauenfragen, begrüßte die Initiative aus der Zivilgesellschaft und bezeichnete sich selbst sowie die Nationalratspräsidentin und die Frauenministerin als „Botschafterinnen des Gesellschaftsklimabündnis“.

Es gibt kein Zurück aus der pluralistischen Gesellschaft

Festrednerin beim Gründungsakt war die Philosophin und Publizistin Isolde Charim. Sie betonte, dass Österreich schon längst eine pluralistische Gesellschaft ist und „es gibt auch keinen Weg mehr zurück“. Dies verlange nach einer neuen Begrifflichkeit; so könne zum Beispiel Gleichheit nicht mehr nur – wie beim Citoyen – Gleichheit vor dem Gesetz heißen. „Die neue Vorstellung von Gleichheit bedeutet auch, dass jeder in seiner Besonderheit anerkannt wird.“ Vortrag „Das Zeitalter der Singularitäten“ von Isolde Charim als PDF

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die unterschiedlichen Diskriminierungsformen angesprochen. AMS-Vorstand Johannes Kopf zählte sowohl Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund als auch Arbeitslosigkeit selbst als mögliche Benachteiligung am Arbeitsmarkt auf. Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses, forderte vor allem den Zugang für Asylwerber zum Arbeitsmarkt. Mourad Mahidi, Geschäftsführer der Bundesjugendvertretung, sah Jugend in jedem Fall als Nachteil: „Jugend ist ein Teil unserer Gesellschaft und nicht ein Problem!“

Die Diversitätsbeauftragte des ÖAMTC, Nasila Berangy-Dadgar, wies darauf hin, dass der Mobilitätsclub mit 1,9 Millionen Mitgliedern der größte Verein Österreichs, gar nicht anders kann, als auf die Verschiedenheit seiner Mitglieder einzugehen. Beim ÖAMTC werde dies in unterschiedlichen Projekten realisiert.

Auch in den Kommunen gebe es Möglichkeiten, Bewusstseinsbildung im Sinne eines neuen Gesellschaftsklimas zu betreiben, betonte der Generalsekretär des Österreichischen Gemeindebundes, Walter Leiss; etwa in Schulen und Vereinen.

Der deutsche Migrationsforscher Mark Terkessidis konstatierte abschließend: „Wir befinden uns bereits in der postmigrantischen Zeit; Migration hat stattgefunden. Auch wenn Österreich sich noch schwer tut, diese Realität zu akzeptieren.“ Dem neuen Gesellschaftsklimabündnis gab er mit auf den Weg: „Es wird schwer, eine Verbesserung des gesellschaftlichen Klimas durchzusetzen, wenn noch über die Realität gestritten wird. Aber je mehr große Organisationen mittun, desto eher wird sich etwas verändern.“

Am Donnerstag hatten sich bereits verschiedenen Projektgruppen in einer Werkstatt zusammengefunden. Realisiert werden sollen unter anderen Initiativen in Gemeinden und Bezirken sowie ein jährlicher Gesellschaftsklimatag – der erste am 25. April 2014.

Programm des Gründungsakts

Begrüßung
Mag.a Barbara Prammer, Präsidentin des Nationalrates

Grußadressen
Mag.a Sandra Frauenberger, Wiener Stadträtin für Integration
Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst

Einleitung
Mag.a Verena Fabris, Volkshilfe Österreich
Dr. Herbert Langthaler, asylkoordination österreich

Vortrag
„Das Zeitalter der Singularitäten“
Dr.in Isolde Charim, Philosophin und Publizistin

Präsentation der Projekte und der Deklaration zum Gesellschaftsklimabündnis

Podiumsdiskussion
„Warum braucht es ein Gesellschaftsklimabündnis?“
Mag.a Nasila Bergangy-Dadgar, ÖAMTC
Dr.in Isolde Charim, Philosophin und Publizistin
Andrea Eraslan-Weninger, MSc, Integrationshaus
Dr. Johannes Kopf, AMS Österreich
Dr. Walter Leiss, Österreichischer Gemeindebund
Mourad Mahidi, Bundesjugendvertretung
Dr. Mark Terkessidis, Autor und Migrationsforscher

Moderation
Mag.a Mari Steindl, Interkulturelles Zentrum

 

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Organisator-innen

Mit Unterstützung von:

 
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